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Erdbeben Kathmandu

„Wer fühlt was er sieht - der hilft was er kann!“

Ich benötigte nach den schockierenden Nachrichten und Bildern vom Erdbeben in Nepal drei Tage um das Unfassbare einigermassen zu fassen und einzuordnen. Beinahe eine Woche dauerte es bis die letzten Nachrichten von meinen Freunden und Produzenten eintrafen. Einige leicht Verletzte, zerstörte Gebäude, aber auch die Zuversicht: „Wir können immer noch, zwar reduziert, weiter arbeiten“. Aufatmen!

Nächste Frage: „Wann ist ein Besuch sinnvoll“? „Wir übernachten im Moment alle im Zelt und täglich gibt es drei bis vier Nachbeben. Bleib noch zu Hause.“ Mich in Geduld zu üben ist normalerweise nicht so mein Ding. Doch durch die intensiven Kontakte per skype und e-mail, und die Vorgespräche mit denen wir schon Vieles klären konnten waren sehr befreiend. Und dann am 6. Juni ging es mit gemischten Gefühlen und erdachten „worst case“ Überlegungen endlich los.

Trügerische Ruhe am Flughafen von Kathmandu, wenig zerstörte Häuser auf dem Weg ins Hotel, - diese Bilder gaben leider nicht das verheerende Ausmass der Erdbebenkatastrophe vom 25. April wieder. Sobald ich dann zu Fuss unterwegs war sah ich die Risse in den Häusern, die not- dürftigen Holz- und Metallabstützungen an vielen Häusern, - alle unbewohnbar und in höchstem Masse einsturzgefährdet. Trotzdem sassen in der einen oder andern Behausung wieder verängstigte, traumatisierte Menschen. Entlang von Strassenzügen fehlten in hohen Mauern plötzlich auf Längen von 20-30 Metern ganze Stücke, und lagen in tonnenschweren Backstein- haufen auf den Gehsteigen.

Durch diese herabfallenden Massen sollen besonders viele Menschen umgekommen sein. Auf dem Durbar Square, der Unesco world heritage side, liegen die Hälfte der Tempel und Paläste in Trümmern. Man windet sich durch grosse Haufen von Backsteinen, geschnitztem Holzwerk, das Meiste total zersplittert, aber bereits wieder ordentlich aufgeschichtet.

Die grossen Anstrengungen der Bevölkerung, einander überall wo immer möglich zu helfen, ist beeindruckend, rührend und erfreuend. Wie immer sind die Ärmsten der Armen am schlimmsten betroffen. Mit einem meiner Produzenten besuchte ich den Stadtteil von Bungmati. Hier reihen sich Zelt- und Plastikunterkünfte entlang ganzer zerstörter Häuserreihen. Die Bewohner räumen Backsteine aus den Trümmern und karren den Schutt, mit einfachsten Hilfsmitteln über einen steilen Abhang. Sie sind in ihren staubbedeckten Kleidern oft kaum von den Schutt- und Backsteinhaufen zu unterscheiden. Sich vorzustellen, dass auf dem Land und in den Bergen immer noch Dutzende von Toten unter riesigen Steinlawinen begraben liegen, stimmt für die Zukunft und die Rückfindung in einen normalen Alltag für lange Zeit nicht besonders zuversichtlich.

Seit 8. Juni gehen die Kinder, mindestens in Kathmandu, wieder halbtags zur Schule. Man spricht über die Katastrophe. Die Kinder stellen Fragen, erzählen ihre Geschichte, und verarbeiten hoffentlich so das Erlebte.

Wie weiter ist die zentrale Frage für Hunderttausende von Menschen. Die Hilfe und Massnahmen der Regierung, oder besser gesagt deren Unfähigkeit die grösste Not zu lindern ist absurd. So soll z.B. eine Familie deren Haus total zerstört wurde 15‘000 Nepali Rupien (Fr. 145.-) als Hilfe für den Wiederaufbau erhalten. Eine Notunterkunft von 4 x 6 Meter mit Eisengestell, Betonziegel-mauern und Blechdach kostet dagegen150‘000 Rupien. Für Hilfsgüter die in dringendst benötigt werden, sind Zollformalitäten die Tage und Wochen dauern immer noch alltäglich. Obwohl eine ganze Liste von Waren vom Zoll befreit ist, fliessen Unsummen von Schmiergeldern um die Waren schlussentlich zu bekommen.